Lesung
Lesung von Wertewelten-AutorenInnen, 28. Mai 2011, 20 Uhr im Hölderlinturm Tübingen
Wertewelten Kolloquium
"Ware Mensch- Die Ökonomisierung der Welt?"
Kolloquium vom 17. - 21. November 2010
Schreib-Wettbewerb
Wertewelten will weltweit wissen: Nach welchen Werten leben wir?
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Jana Domdey
ist Schlieben-Lange-Stipendiatin der Universität Tübingen und arbeitet an einer Dissertation über postkoloniale Poetiken der neuen deutschen Afrikaliteratur. Sie studierte Neuere Deutsche Literatur, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Politikwissenschaft in Tübingen, Berlin und Newcastle und erhielt ihren Magisterabschluss 2004 von der Universität Tübingen mit einer Arbeit über Feridun Zaimoglus Buchprojekt Kanak Sprak („'Sexy Kanake'? – Die widersprüchliche Erfolgsgeschichte von Feridun Zaimoglus Kanak Sprak“). Während ihrer Studienzeit war sie an der Organisation der Tübinger Poetik Dozentur beteiligt und als Redakteurin des Politmagazins „Lauschangriff“ im Freien Radio Tübingen/Reutlingen aktiv. Ihr Forschungsinteresse richtet sich u.a. auf postkoloniale Literatur und Theorie, die neue deutsche Afrika-Literatur, interkulturelle deutsche Literatur sowie Gender & Queer Studies.
Nachdem in den deutschen Medien 2004 erstmals breit über den vor 100 Jahren in der Kolonie ›Deutsch-Südwest‹ begangenen Völkermord an den Herero berichtet wurde, hat auch hierzulande mit großer Verspätung die Rückbesinnung auf die lange verdrängte nationale Kolonialvergangenheit eingesetzt. Der sich formierende Erinnerungsdiskurs wird dabei gerade auch von belletristischen Veröffentlichungen getragen. Literatur als Arbeit am kulturellen Gedächtnis begreifend untersuche ich die Repräsentationspolitik aktueller Afrika-Romane mit Kolonialbezug unter besonderer Berücksichtigung ihrer markanten Intertextualität.
Angesichts nur vereinzelter ›afrikanischer‹ writing-back-Stimmen im deutschen Kontext ist die diskursive Macht bis heute sehr ungleich verteilt. Wie lösen ›deutsche‹ Autoren die sich dadurch ergebenden Probleme von ›Authentizität‹ und Repräsentation? Wie kann die postkoloniale Qualität ihres Schreibens bestimmt werden? Während sich die Diskussion um ›Postkolonialität‹ häufig auf inhaltlich-motivische (Dis-)Kontinuitäten konzentriert, macht meine Dissertation gerade Fragen der Poetik als politische kenntlich. Die variantenreichen Erzählverfahren der Texte stehen daher im Zentrum, wobei Alteritätsdarstellung, Gewaltästhetik und Geschichts(re)konstruktion als besonders sensible Aspekte der Repräsentation gesonderte Beachtung erfahren. Dabei wird der Vergleich mit der Literatur der Shoah gesucht, die im Bereich des erinnernden Schreibens in deutscher Sprache Maßstäbe gesetzt hat.
Die ausgeprägte Intertextualität vieler Afrika-Romane mit Kolonialbezug bildet als auffälliges Charakteristikum der ›postkolonialen‹ Erinnerungsliteratur in deutscher Sprache einen weiteren Untersuchungsschwerpunkt. Das intertextuelle Wirkungsspektrum der in der Dissertation analysierten Werke ist groß und erstreckt sich von der Kritik und Dekonstruktion kolonialistischer Prätexte, ihrer ironischen Kommentierung und satirischen Überaffirmation bis hin zur Nutzung des intertextuellen Zitats als einem möglichen Vehikel transkultureller Kommunikation.
Ein Kurzstipendium des Wertewelten-Projekts von Mitte Oktober bis Ende Dezember 2008 er-möglichte mir eine Forschungsreise an die südafrikanische Universität Stellenbosch. Dort war ich an den Lehrstuhl der mit dem Wertewelten-Projekt assoziierten Germanistin Prof. Dr. von Maltzan angebunden, die mich in Fragen meiner Dissertation inhaltlich beriet und mir an der Universität einen Arbeitsplatz mit Internetzugang zur Verfügung stellte. Mein Aufenthalt in Stellenbosch diente dem Vergleich europäischer und afrikanischer Wertesys-teme und eröffnete mir den Zugang zu afrikanischer Forschungsliteratur, die für mein Promoti-onsprojekt »Geschichte/n anders schreiben – Postkoloniale Poetiken der neuen deutschen Afri-kaliteratur« relevant und an europäischen Bibliotheken schwer zugänglich ist. Zudem konnte ich interessante wissenschaftliche Kontakte knüpfen und meine Dissertation erhielt durch den Dia-log mit südafrikanischen LiteraturwissenschaftlerInnen entscheidende neue Impulse. Während meiner Zeit in Stellenbosch untersuchte ich den literarischen Umgang mit dokumentarischem Material der Truth and Reconciliation Commission am Beispiel von Antjie Krogs Country of my Skull (1998) und forschte zu Ilija Trojanows Roman Der Weltensammler (2006) und dessen intertextueller Bezugnahme auf afrikanische Autoren wie Abdulrazak Gurnah oder Moyez G. Vassanji. Die neuen afrikanischen Kontakte führten in der Folge zu einer Teilnahme an der Tagung des Germanistenverbandes im südlichen Afrika (SAGV) im April 2009 und der Veröffentlichung ei-nes Aufsatzes und einer Rezension über Romane der neuen deutschen Afrika-Literatur in der Acta Germanica (s. Publikationsliste).
„Intertextuelles Afrikanissimo: Postkoloniale Erzählverfahren im Ostafrika-Kapitel von Ilija Trojanows Der Weltensammler“, in: Acta Germanica 2009, S. 45-66.
„Archivist mit denunziatorischen Absichten: Christian Kracht parodiert postkoloniale Literatur“, in: Acta Germanica 2009, S. 184-186. (Rezension)
„,Sexy Kanake’? – Ambivalent Use of ‚Kanak Sprak’ in Recent German Cultural Production“, in: Frank Heidemann/Alfonso de Toro (Hg.), New Hybridities – Societies and Cultures in Transition, Hildesheim: Olms 2006, S. 179-195.
„Günter Grass’ ,Aus dem Tagebuch einer Schnecke’“, in: Wertheimer, Jürgen (Hg.), Günter Grass: Wort und Bild, Tübingen: Konkursbuch 1999, S. 71-73.