"Kulturen des Dialogs"
Kolloquium vom 19. - 22. November 2008



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Programm

Ob der Dialog der Kulturen, der Wissenschaften, der Religionen oder der Nationen - an jeder Grenzstelle wird der Dialog gefordert und als der Schlüssel zur erfolgreichen Kommunikation gehandelt. Die fast formelhafte Forderung legt nahe, dass es sich beim Dialog um ein nach festen Regeln ablaufendes Verfahren handelt, das zielgerichtet und beinahe effizient handfeste Ergebnissen liefert, wenn es nicht den Konsens schon vorneherein als Endprodukt stillschweigend voraussetzt. Nur selten entkommt solch ein festgesetzter Dialog der Erwartungshaltung an ihn und wird zu dem wirklich offenen, kreativen und auch fragilen Gebilde, das sich stetig verändern oder auch abrupt abbrechen kann. Letztendlich lässt sich der Dialog nicht auf eine bestimmte Form festlegen und es gibt keine Gewähr dafür, dass nicht einer der Dialogpartner schweigt oder geht.

Beispiele in der Literatur zeigen die Komplexität und Vielfalt von Dialogen, die von der Dialogverweigerung und Frontenverhärtung über scheinbar monologische Versatzstücke bis hin zu Irritation und Aufgabe einer vorgefaß ten Meinung reichen. Der Grad der gegenseitigen Durchdringung und der wechselseitigen Impulsgebung zwischen den Dialogteilnehmern gibt einen Anhaltspunkt dafür, inwieweit im Zwischenraum ein neuer Entwurf des jeweils anderen entsteht, der auf das eigene Bild zurückwirkt, ohne ihm die Selbstständigkeit zu nehmen. Für den literarischen Dialog gilt jedoch anders als beim realen Zusammentreffen, dass sich auf der übergeordneten Ebene des Gesamttextes eine Verbundenheit der Positionen herausbildet, die, unabhängig von der wechselseitigen Beeinflussung der Figuren, zu einem neuen Bewusstsein führt.

Wenn der unablässig verlangte Dialog der Kulturen tatsächlich zu neuen Einsichten in die fremde Kultur führen soll, an denen sich das Selbstverständnis relativiert, ist zunächst eine differenzierte Betrachtung unterschiedlicher Kulturen des Dialogs notwendig. Dazu gehört insbesondere die Auseinandersetzung mit der Sprache, die immer in einem Wechselverhältnis zu ihren Inhalten steht und nicht unabhängig von ihnen gedacht werden kann. So können die dem Begriff des Dialogs funktionalen Entsprechungen in den außereuropäischen Kulturen Aufschluss geben über die unterschiedlichen Realisierungen des Dialogs. Das erste im Rahmen des Projekts "Wertewelten" geplante Kolloquium stellt deshalb den Dialog und seine sprachlichen Formen als notwendiges Werkzeug für die Verständigung über kulturell geprägte Wertesysteme ins Zentrum.


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Tagungs-Program:

Mittwoch, 19. 11. 2008
bis abends Anreise

20:00 Uhr Auftaktveranstaltung mit Herta Müller:
"Gelber Mais und keine Zeit"
mit anschließendem Umtrunk im Foyer
Kupferbau, HS 25

22:00 Uhr Abendessen

Donnerstag, 20. 11. 2008
10:00 Uhr Impulsreferate und Diskussion mit dem Schwerpunkt:
Individuum und Sprecher - Vertrautheit und Konvention
Zeicheninstitut, Neue Aula

mittags Büffet

bis 17:00 Uhr Fortsetzung der Gespräche mit dem Schwerpunkt:
Kritik, Streit und Ideenkonfrontation

20:00 Uhr Öffentliche Präsentationen verschiedener Dialoge:
"Von der Kunst, miteinander zu reden"
Zimmertheater Tübingen

22:00 Uhr Abendessen

Freitag, 21. 11. 2008
10:00 Uhr Impulsreferate und Diskussion mit dem Schwerpunkt:
Sprache, Körper und Emotionen
Zeicheninstitut, Neue Aula

Mittagessen

bis 17:00 Uhr Fortsetzung der Diskussion mit dem Schwerpunkt:
Gedankenaustausch, Lösungswege, dritte Wege

19:00 Uhr Abschlussgespräch:
Dialog-Kulturen
anschließend Abendessen

Samstag, 22. 11. 2008
10:00 Uhr Ausklang mit Exkursion
nachmittags Abreise



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Stand: 28. April 2010