"Szene & Tribunal"
Kolloquium vom 10. - 14. Juli 2009



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Programm

Szene und Tribunal – zwei Orte an denen Werte verhandelt und kommuniziert werden. Nicht nur bei Schiller, dessen 250. Geburtstag in diesem Jahr zu feiern ist, sondern ganz allgemein und bis in die Gegenwart.
Das 2. Forum des Projekts „Wertewelten“ will den mentalen Topographien dieser beiden
Spielorte nachgehen und hierzu mit Experten aus dem Bereich des Theaters und des
Gerichts diskutieren. Insbesondere interessieren uns Momente des Umschlags, Momente, in dem die Szene zum Tribunal oder auch jene, in denen das Tribunal zur Szene mutiert und
nicht nur Werte, sondern auch Emotionen und Energien freigesetzt werden.

Es ist uns darum zu tun, „Bühne“ und „Gericht“ als zwei sehr unterschiedliche und doch miteinander verwandte Räume der Verhandlung und Kommunikation von Werten in den Blick zu nehmen, wobei besonders folgende Aspekte zu einer näheren Betrachtung anregen: Momente, in denen die Bühne und Literatur sich auf eine sehr spezifische Art in die Vermittlung von Werten einschalten – und solche, in denen der Gerichtssaal zur affektgeladenen Bühne, des In-Szene-Setzens von „Recht“ und „Unrecht“ wird.

Der historischen Situation kommt – nicht nur wegen des Schillerjahrs – als dem geschichtlichen Moment der modernen Wert und Wahrnehmungskonzeption eine besondere Bedeutung zu; mithin der Erkenntnis in dem extrem kultur-bzw. zeitspezifischen Kontext, innerhalb dessen Wertekonstitution stattfindet.

Schließlich bleibt die Frage des Mediums, also der Sprache. In Fortführung des Dialog-Themas vom ersten Kolloquium bleibt innerhalb einer Auseinandersetzung mit Werten aller Art die Sprache ein grundlegender Bestandteil. Der unterschiedliche begriffliche Umgang – sei es kulturell oder disziplinär – verweist nicht nur auf verschiedene Wertsetzungen, sondern auch auf Konnotationen, die wiederum ein bestimmtes Werteverständnis hervorbringen. So sind bestimmte juristische Begrifflichkeiten wie „niedere Beweggründe“ und „archaische Moralvorstellungen“ vermeintlich eng und nach rational nachvollziehbaren und objektivierbaren Kriterien definiert. Der „Interpretationsspielraum“ eines Richters kann aber erst im Einzelfall bespielt werden. Auf der Bühne bietet die szenische Darstellung eines Einzelschicksals hingegen Raum für eine öffentliche Verhandlung über Werte.




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Tagungs-Programm

Das Programm für die öffentlichen Veranstaltungen, unter anderem mit einem Vortrag der mehrfach ausgezeichneten Schriftstellerin Marlene Streeruwitz, können Sie auch als pdf-Dokument downloaden.


Wenn nicht anders vermerkt, sind die Veranstaltungen NICHT öffentlich.


Freitag, 10. Juli 2009

bis Abends Anreise

20:00 Uhr
Öffentlicher Vortrag
Seyran Ateş (Berlin)
Kupferbau HS 21
„Wertekonflikte in der multikulturellen Gesellschaft – Die Gleichberechtigung der Geschlechter als Zerreißprobe“


Samstag, 11. Juli 2009

Impulsreferate und Diskussion mit dem Schwerpunkt: Prämissen
Hölderlinturm

09:30 Uhr Jürgen Wertheimer (Tübingen): Inszenierte Wahrheit, oder: Die Gerechtigkeit als Illusion

10:15 Uhr

Chetana Nagavajara
(Nakorn Pathom, Thailand): Die Schaubühne als moralische Anstalt oder das Scheitern des Tribunals

11:30 Uhr

Carlotta von Maltzan (Stellenbosch, Südafrika): Begebenheit und Zeugenaussage: Überlegungen zum narrativen Prozess


Impulsreferate und Diskussion mit dem Schwerpunkt: Systeme
Hölderlinturm

14:30 Uhr

Anil Bhatti (Neu Delhi, Indien): Rechtssysteme, Wertsystem und Konfliktzonen im postkolonialen Indien

15:15 Uhr

Heinz-Dieter Assmann (Tübingen): Die Tribunalisierung des Weltverständnisses: zur rechtlich vermittelten Konstruktion von Weltwissen und Weltvorstellung

16:30 Uhr

Roger Greatrex (Lund, Schweden): Trials and Justice in Eighteenth Century China: the Imperial Household Tribunal

16:30 Uhr

Roger Greatrex (Lund, Schweden): Trials and Justice in Eighteenth Century China: the Imperial Household Tribunal

20:00 Uhr

Öffentlicher Vortrag
Marlene Streeruwitz (Wien)
Kupferbau HS 21
„Bei uns hat der größte Wert den kleinsten Preis“


Sonntag, 12. Juli 2009

Impulsreferate und Diskussion mit dem Schwerpunkt: Methoden der Gerechtigkeit
Hölderlinturm


09:30 Uhr

Amadou Ba & Mamadou Diop (Dakar, Senegal): Tribunal am Scheidepunkt zwischen altem und modernem Afrika am Beispiel des Werkes le process du Pilon (1948) von Ousman Goundiam

10:15 Uhr

Elmar, Weitekamp & Hans-Jürgen Kerner (Tübingen): Truth and Reconciliation Commissions as a Form of Transitional Justice: The Example of South Africa

11:30 Uhr

Fortsetzung des Vortrags von Elmar, Weitekamp & Hans-Jürgen Kerner


Impulsreferate und Diskussion mit dem Schwerpunkt: Theatralisierung
Hölderlinturm

14:30 Uhr

Mun-Yeong Ahn
(Daejeon, Südkorea) : Die Klage und Anklage einer geprügelten Frau

15:15 Uhr

Kittisak Prokati (Bangkok, Thailand): Perspektiven auf Bühnen der Gerechtigkeit in Thailand

16:30 Uhr

Gerd Heinz (Freiburg): Der Umschlag von Bühne (Szene) in Tribunal in Kleists „Zerbrochenem Krug“ - die Umkehrung von Tribunal in Bühne in Büchners „Dantons Tod“

17:15 Uhr

Gespräch - Moritz Rinke und Jürgen Wertheimer: Das Theater als Verhandlungsraum?


Montag, 13. Juli 2009

Impulsreferate und Diskussion mit dem Schwerpunkt: „Gerechtigkeit“ als Medienereignis
Hölderlinturm

09:30 Uhr

Özkan Ezli (Konstanz): Religion zwischen Inszenierung und Problematisierung im deutsch- türkischen Film

10:15 Uhr

Teruaki Takahashi
(Tokio, Japan): Wiederherstellung der Gerechtigkeit: Fantastische Wunschbilder in den japanischen Fernsehserien „Mito- komon“, „Der wilde Shogun“ und „Der zuverlässige Auftragsmörder“

11:30 Uhr

Ihmku Kim (Seoul, Südkorea): Ein NS-Prozeß als Prüfstein aufklärerischer Werte zu Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“


Impulsreferate und Diskussion mit dem Schwerpunkt: Ästhetiken des Widerstands
Hölderlinturm

14:30 Uhr

Anne Lorenz (Tübingen) & Alexander Baur (Tübingen): Auf Abweichungskurs: Prozesse in der Literatur und im Recht

15.15 Uhr

Mohamed Benmoussa (Rabat, Marroko): Die politische Szene als Welttheater

16:30 Uhr

Arata Takeda (Tübingen): Ansichten eines Dilemmas. Zum Wert des Lebens vor Gericht

18:00 Uhr

Verleihung der Ehrendoktorwürde an Prof. Dr. Chetana Nagavajara
Hölderlinturm, Bursagasse 6

20:00 Uhr

Öffentlicher Vortrag
Jürgen Wertheimer, Arata Takeda: Recht, Unrecht, Terror in Schillers „Die Räuber“
Kupferbau, HS 21


Dienstag, 14. Juli 2009


10:00 Uhr

Gemeinsames Frühstück (intern)
Zusammenfassung und Ausblick


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Stand: 28. April 2010