"Szene & Tribunal"
Kolloquium vom 10. - 14. Juli 2009



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TeilnehmerInnen des Kolloquium 2009


Mun-Yeong Ahn Mun-Yeong Ahn lehrt als Professor für Deutsche Literatur und Sprache an der Chungnam National Universität in Daejeon, Südkorea. Sein Forschungsschwerpunkt ist Deutsche Poesie und Drama. 1983 promovierte er an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn.

Die Klage und Anklage einer geprügelten Frau

In Pansori Chunhyangga wird eine Szene beschrieben, in der die treue und keusche Protagonistin wegen ihrer Ungehorsamkeit von einem Präfekten mit Prügeln bestraft wird. Jeder Schlag wird gezählt und der brünstige Diktator nimmt die Zahl des Schlags zum Anlaß, in einer Homonymie des Zahlwortes die junge Frau zum Nachgeben zu zwingen. Die gleiche rhetorische Methode verwendet auch Chunhyang aber zum anderen Zweck, nämlich um die Grundlosigkeit der Prügelstrafe anzuklagen und gleichzeitig ihre Treue gegenüber dem fernbleibenden Geliebten zu betonen. Die Zuschauer teilen nicht nur den Leid der brutal geprügelten jungen Frau mit. Sie kritisieren auch die Härte der ungerechten Strafe. In diesem Moment verwandelt sich der Pansori-Spielplatz zum Volkstribunal gegen den richtenden Präfekten.

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Seyran Ates - Fotografin: Frau Müjgan Arpat Seyran Ateş Rechtsanwältin, Autorin und Publizistin, 1963 in Istanbul geboren, lebt seit 1969 in Berlin. Sie studierte Rechtswissenschaften an der Freien Universität Berlin und arbeitete von 1997 bis Juni 2006 als selbständige Rechtsanwältin. Im Sommer 2006 gab sie ihre Zulassung als Anwältin zurück. Auslöser war ein tätlicher Angriff nach einem Scheidungstermin durch den Ehemann einer Mandantin. Aufgrund ihrer frauenparteiischen Arbeit und ihres Einsatzes für die Gleichberechtigung der Geschlechter ist sie immer wieder großen Anfeindungen und Drohungen ausgesetzt. Von September 2007 bis Mai 2009 war Seyran Ateş wieder als Anwältin zugelassen. Sie konnte ihren Beruf aber nicht mehr wirklich ausüben. Daher hat sie die Konsequenzen gezogen und orientiert sich beruflich jetzt um. Seyran Ateş ist eine der wichtigsten Stimmen im Kampf gegen Zwangsheirat und Ehrenmorde in Deutschland. Sie setzt sich seit vielen Jahren für die Einführung eines eigenen Straftatbestandes Zwangsheirat ein. Sie ist Mitautorin des 1983 erschienenen Buches “Wo gehören wir hin? Zwei türkische Mädchen erzählen“. Darin erzählt sie ihre eigene Geschichte bis zur Trennung von der Familie mit knapp 18 Jahren. 2003 erschien ihre zweite Autobiographie beim Rowohlt Berlin Verlag. Darin schildert sie beginnend bei der Generation ihrer Großeltern beispielhaft das Leben vieler türkischer Zuwanderer in Deutschland. 2007 erschien ihr Buch „Der Multikuliti-Irrtum, wie wir in Deutschland besser zusammen leben können“. Darin beschreibt sie das Zusammenleben von Deutschen und Zugewanderten. Dabei hat sie einen besonderen Blick für die Konflikte, die im Zusammenhang mit der Integration des Islam in Europa existieren und macht Vorschläge, wie sie überwunden werden können. Seyran Ateş ist Plenumsmitglied der vom Innenministerium einberufenen Deutschen Islamkonferenz und des Nationalen Integrationsgipfels.

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Klaus Antoni Klaus Antoni ist Professor für Japanologie mit kulturwissenschaftlichem Schwerpunkt an der Universität Tübingen. Schon als Austauschschüler hat er Japan besucht, später folgten Studien- und Forschungsaufenthalte, u. a. 1992/93 als Gastprofessor an der Städtischen Universität Ôsaka. Forschungsschwerpunkte liegen auf dem Gebiet der Geistes- und Religionsgeschichte Japans; insbesondere geht er der Frage nach dem Verhältnis von Religion (Shintô) und Ideologie im neuzeitlichen und modernen Japan nach. Darüber hinaus befasst er sich mit der japanologischen Kulturtheorie (u. a. Stereotypen-Forschung) wie auch den historischen und kulturellen Beziehungen Japans zu Asien.


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Amadou Oury Ba Amadou Oury Ba ist Dozent der Germanistik an der Universität Cheickh Anta Diop in Dakar. Nach mehreren Studienaufenthalten in Deutschland promovierte er im Jahr 2005 über den Einfluss Goethes und Brechts auf die Ideen Léopold Sédar Senghors und Wole Soyinkas an der Universität Mannheim.

Tribunal am Scheidepunkt zwischen altem und modernem Afrika am Beispiel des Werkes le proces du Pilon (1948) von Ousman Goundiam

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Mohamed Benmoussa Mohamed Benmousa ist Leiter des Instituts für Studium und Forschung über Arabisierung in Rabat (IERA - Institut d’Etudes et de Recherches pour l’Arabisation). Als Vize-Dekan der Universität Mohammed V – Souissi –Rabat hat er die Verantwortung für die Instanz für institutionelle Evaluierung. Neben seiner Position als Leiter des geisteswissenschaftlichen Forschungszentrums über „sozialen Wandel und menschliche Entwicklung“ ist Benmousa Koordinator der Forschungsgruppe über „religiöse Gewalt und sozialen Zusammenhalt in Marokko“ und Präsident der Marokkanisch-Deutschen Gesellschaft (MDG) seit 1988. Von 2005 bis 2007 war Mohamed Benmousa Koordinator der inter-universitären marokkanisch-spanischen Forschungsgruppe (Universität Granada / Universität Mohammed V – Souissi) über „Erziehung zu Werten, Menschenrechte, Frieden und Toleranz“

Kampf der Kulturen oder kultureller Dialog? Kultur im Singular oder im Plural? Diese Dilemmas sprechen alle an und fördern die Debatte über Kultur, die auch Frage über die Zukunft unseres Planeten aufwirft. Das Projekt „Wertewelten“ scheint mir eine sehr interessante Plattform mit internationaler Dimension zu sein, um über diese Frage der Werte auszutauschen. Die marokkanische Erfahrung im Bereich der Förderung von Werten und Menschenechte ist reich und interessant. Die Instanz für Gerechtigkeit und Versöhnung, um nur ein Beispiel dieser Erfahrung anzuführen, ist ein weltweit einzigartiges Unternehmen der Versöhnung mit sich selbst.

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Anil Bhatti Anil Bhatti ist Professor am Centre of German Studies, School of Language, Literature and Culture Studies der Jawaharlal Nehru University in New Delhi. Seine Hauptarbeitsgebiete sind u. a. Deutschsprachige Literatur des 19. u. 20. Jahrhunderts und vergleichende kulturwissenschaftliche Studien zwischen Europa (Deutschland, Österreich) und Indien.




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Mamadou Diop Mamadou Diop ist Assistenzprofessor und Abteilungsleiter für Germanistik an der Abteilung für germanische Sprachen und Kulturen der Uni Cheikh Anta Diop / Senegal. Er promovierte 1990 an der Uni Klagenfurt / Österreich, nachdem er Jahre lang im Sekundarschulwesen tätig gewesen war. Als Professor für österreichische Literatur und Landeskunde ist sein Forschungsgebiet die österreichische Literatur der Nachkriegszeit.

Tribunal am Scheidepunkt zwischen altem und modernem Afrika am Beispiel des Werkes le proces du Pilon (1948) von Ousman Goundiam

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Özkan Ezli Özkan Ezli ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Projektleiter im Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ der Universität Konstanz. Sein Forschungsschwerpunkt dort ist das Narrativ der Migration in der deutsch-türkischen Literatur, im Film und in der Religion in Deutschland. Er promovierte an der Universität Tübingen zum Thema „Kultursubjekte und Subjektkulturen in Autobiographien und Reisebeschreibungen: Kulturanalytische Problematisierungen westeuropäischer, türkischer und arabischer Texte der Moderne“

Religion zwischen Inszenierung und Problematisierung im deutsch-türkischen Film

Im allgemein bekannten cultural turn, der nicht nur einen Paradigmenwechsel in den Geisteswissenschaften ausgelöst hat, sondern auch im gesellschaftspolitischen Diskurs, ist die Rolle der Religion in der deutschen migrationspolitischen Debatte mittlerweile kaum zu unterschätzen. Im Rahmen des gesellschaftspolitischen cultural turn hat ein Wandel in einer identitätslogischen Zuschreibung und Beschreibung der deutsch-türkischen Bürger stattgefunden: vom Türken zum Muslim. Diese Zunahme der Religion beweist auch die Gleichzeitigkeit des Integrationsgipfels und der Islamkonferenz. In dem Bemühen repräsentative Ansprechpartner und eine Körperschaft für die deutsch-türkische Bevölkerung über die Religion zu schaffen, wurde ersichtlich, das zum einen die Differenz zwischen den unterschiedlichen muslimischen Gruppierungen kaum überbrückbar ist und die vor allem in den 80er Jahren institutionell entstandenen deutsch-türkischen Vereine und Verbände durch Mitgliedschaften zehn Prozent und durch Frequentierung der Moscheen lediglich für einen Drittel der deutsch-türkischen Muslime sprechen können. Hier scheint ein Verhandlungsraum von Religion zu existieren, der jenseits in den zum Teil in Szene gesetzten Dialogen und Dialogbrüchen im öffentlich-politischen Diskurs mit eindimensionalen Wertesetzungen, was ist „westlich/(christlich)“, was ist „koranisch“, steht. Eine wichtige Ausdrucksform dieser „anderen“ Religion finden wir meiner Ansicht nach in den Filmen deutsch-türkischer Regisseure. In meinem Beitrag möchte ich mich besonders auf Filme Fatih Akins konzentrieren und in ihnen versuchen eine Bewegung zwischen Inszenierung und Problematisierung der Religion aufzuzeigen, die Werte und Wertschaffungen jenseits der Fragen, ob die 11-jährige deutsch-türkische Tochter am Schwimmunterricht teilnehmen dürfe oder müsse etc, verhandelt.

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Gerd Heinz
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Mostafa Hassani Idrissi Mostafa Hassani Idrissi ist Professor für Geschichtsdidaktik an der Universität Mohammed V, Rabat. Er ist Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen, hauptsächlich über die soziale Rolle der Geschichtskunde. Sein Buch „Geschichte denken und Geschichte lernen“ (Pensée historienne et apprentissage de l’histoire. Paris: L’Harmattan, 2005) wurde 2007 mit den René-Devic-Preis für staatliches Unterrichtswesen ausgezeichnet.

Im Rahmen der heutigen Umwälzungen spielt Geschichtskunde eine wesentliche Rolle: es obliegt ihr nämlich nicht nur, kritischen Geist zu fördern, sondern auch, Werte und allgemeine Prinzipien zu vermitteln, die den menschlichen Beziehungen bestimmen. Um diese Ziele zu erreichen soll der Geschichtsunterricht einen pädagogischen Auftrag erfüllen, und dabei die Entwicklung des kritischen Geistes erstreben, um das Individuum vor bestimmten Manipulationsformen zu schützen und ihm eine doppelte Fähigkeit zu verleihen:
→ sich zwischen vielfältigen Identitäten zu verorten und zu bewegen,
→ sich den Anderen und ihren Unterschieden zu öffnen.


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Hans-Jürgen Kerner Hans-Jürgen Kerner ist Ordinarius an der Juristischen Fakultät der Universität Tübingen und zugleich Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen. Von 1977 bis 1980 war er als Direktor des Seminars für Jugendrecht und Jugendhilfe der Universität Hamburg und gleichzeitig als Richter am 2. Strafsenat des Hanseatischen Oberlandesgerichts tätig. Ab 1979 führten in Gastprofessuren u. a. nach Peking, Philadelphia, Melbourne und nach Cambridge. Außerdem war er fünf Jahre Mitglied im wissenschaftlichen Ausschuss des European Committee for Crime Problems des Europarates in Straßburg, als Vertreter für die Bundesrepublik Deutschland.

"Truth and Reconciliation Commissions as a Form of Transitional Justice: The Example of South Africa"
(DVD-Presentation. Introduction by Elmar G. M. Weitekamp; Comparative Comments from a German Penal Law Perspective by Hans-Jürgen Kerner).

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Ihmku Kim Ihmku Kim ist Professor für Neuere Deutsche Literaturgeschichte an der Seoul National University, Südkorea. Ausgehend vom methodischen Ansatz der Literarischen Komponentenanalyse und der Neuen Epochenforschung konzentriert er sich schwerpunktmäßig auf die Weimarer Klassik, die Klassische Moderne und die Gegenwartsliteratur. Ein anderes Interessengebiet ist die Komparatistik. 1996 promovierte er an der Universität Freiburg; 1996-1998 Postdoktorandenstipendiat von der Korean Research Foundation. 2008/09 Forschungsaufenthalt in Tübingen.

Ein NS-Prozeß als Prüfstein aufklärerischer Werte
Zu Bernhard Schlinks Roman „Der Vorleser“

Dass das Gericht ein Kreuzpunkt widerstreitender Interessen und Sinndeutungen ist, ist eine banale Feststellung. Im Pro und Kontra versucht sich jeder Beteiligte das Beste zu erarbeiten. Im „fiktionalen Gericht“ hingegen darf sich der Schriftsteller erlauben, eine Angeklagte auf dem Tribunal auftreten zu lassen, die Aussagen trifft, welche um ihrer personalen Integrität willen eindeutig gegen sie gerichtet sind; brisanter wird es, weil es sich bei ihr um eine ehemalige SS-Frau handelt.

Der Berliner Juraprofessor und Schriftsteller Schlink hat bereits vor mehr als 10 Jahren einen Roman publiziert, der ihn mit einem Schlag zum Bestsellerautor avancieren ließ; die neuerliche Verfilmung des Romans bietet erneut eine Gelegenheit, sich mit dem Originaltext zu befassen. Denn der Film hat das Moment des NS-Prozesses eindrucksvoll präsentiert.

In meinem Referat soll dargelegt werden, dass sich der Autor, Jahrgang 1944, im Roman mit der gängigen Art der Vergangenheitsbewältigung seiner eigenen Generation abrechnet. Dabei wird er sich dessen bewusst, dass zur Verurteilung nicht nur einschlägige Gesetzesparagraphen, sondern immer auch ein Ensemble fester moralischer Grundüberzeugungen gehört und ihm just dies fehlt. Der Prozess gegen die SS-Frau lässt die Ambivalenz der gegenwärtigen Haltung gegenüber den überlieferten Werten der Aufklärung vollends ans Tageslicht kommen.


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Carlotta von Maltzan Carlotta von Maltzan ist Professorin für Deutsche und Europäische Literatur und Kultur an der Universität Stellenbosch in Südafrika. Ihre Forschung beschäftigt sich u. a. mit dem Afrikabild in der zeitgenössischen deutschen und österreichischen Literatur, Gender Issues, deutsch-jüdischen Autoren und Holocaust-Literatur und er Exilliteratur zwischen 1933-1945.

Zeugen und Gesellschaft. Über die Verhandlung von Werten am Beispiel von Jayne Taylors "Ubu and the Truth Commission" (1997) und Peter Weiss‘ "Die Ermittlung" (1965).

„Wenn wir über eine Begebenheit, die sich heute erst unter den Menschen, mit denen wir leben, und in der Stadt, die wir bewohnen, ereignet, die Zeugen abhören und aus ihren widersprechenden Berichten Mühe haben, die Wahrheit zu enträtseln: welchen Mut können wir zu Nationen und Zeiten mitbringen, die durch Fremdartigkeit der Sitten weiter als durch ihre Jahrtausende von uns entlegen sind?“ (Schiller: Über Universalgeschichte)

Wenn Schiller hier über die Bedingungen der Erstellung einer Universalgeschichte nachdenkt, kommt er u.a. anderem zu dem Schluss, dass eine Begebenheit in Bezug auf ihre Wirkung im Jetzt ihre Bedeutung erhält. In diesem Jahr feiert Deutschland den 60. Geburtstag seines Grundgesetzes, während in Südafrika auf 15 Jahre Demokratie zurückzuschauen sind.

Im Rekurs auf literarische Beispiele wie Peter Weiss’ „Die Ermittlung“ und Jane Taylors „Ubu and the Truth Commission“ soll der Stellenwert von Zeugenaussagen und ihr komplexer Zusammenhang zu beschriebenen Ereignissen im Rahmen einer Gewaltherrschaft (Nationalsozialismus und Apartheid) untersucht und problematisiert werden. Unter besonderer Berücksichtigung von Zeugenaussagen von Frauen vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission in Südafrika soll insbesondere das Verhältnis zwischen Narration und Wahrheit ins Blickfeld genommen werden.

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Achim Mittag
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Chetana Nagavajara Chetana Nagavajara ist 1937 geboren und erhielt seine Schulausbildung in Thailand. In Cambridge (England) erwarb er den B.A. in modernen Sprachen und setzte sein Studium in Tübingen fort, wo er im Jahre 1964 bei dem Komparatisten und Romanisten Kurt Wais mit einer Arbeit über "August Wilhelm Schlegel in Frankreich" mit dem Prädikat "magna cum laude" promovierte (ersch. 1966 bei Niemayer, Tübingen). Seither ist Herr Nagavajara nicht nur als Germanist, Romanist und Komparatist, sondern auch als Kulturwissenschaftler und als Literatur-, Theater- und Musikkritiker mit großem Erfolg tätig gewesen.

"Die Schaubühne als moralische Anstalt oder das Scheitern des Tribunals"



Die Neuphilologische Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen
verleiht

die Ehrendoktorwürde an
Prof. Dr. Chetana Nagavajara


Montag, 13. Juli 2009 ab 18:00 Uhr im Hölderlinturm.


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Kittisak Prokati Kittisak Prokati studierte Rechtswissenschaften an der Thammasat Universitaet in Thailand und erhielt seine Promotion als Doktor iuris von der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universitaet zu Bonn. Er ist als Professor fuer Buergerliches Recht, Rechtsphilosophie, Rechtsvergleichung und integrierte Studiengaenge an der Thammasat Universitaet taetig. 1997 wurde er zum Mitglied der “Official Information Commission of Thailand“ ernannt. In den Jahren 1998 und 1999 erhielt er ein Stipendium der Alexander-von-Humboldt Stiftung und ist ferner seit 2001 Mitglied in der Gesellschaft fuer Rechtsvergleichung. 2001 wurde er zum Professor an die Kyushu Universitaet in Japan berufen, wo er ein Jahr lang taetig war. Nach seiner Rueckkehr an die Thammasat Universitaet wurde er zum Direktor des German Law Center an der rechtswissenschaftlichen Fakultaet ernannt.

Perspektiven auf Bühnen der Gerechtigkeit in Thailand

Dass das Gericht zur Buehne und die Buehne zum Gericht zu werden vermag, duerfte als allgegenwaertige Erfahrung gelten koennen. Dass es in beiden Faellen um Werte geht, liegt auf der Hand, fuehrt aber schon zu ersten Differenzierungen. Ist die Buehne – um der Tradition der abendlaendischen Kultur die Ehre zu geben - von Aristoteles ueber Schiller bis Brecht einer der sozialen Raueme, der dazu bestimmt ist, Werterfahrung zu vermittelen, indem ueber Schlechtes Gericht gehalten und das innere Gericht des Zuschauers angerufen wird, bietet das Gericht eine Buehne der Gerechtigkeit gleich in mehrfacher Hinsicht: Das Drama der Gerechtigkeit kann als foucaultsches Theater des Schreckens oder als Schauspiel von aristotelischer Erhabenheit aufgefuehrt werden, es kann zur Posse herabsinken und so zur Tragoedie der Gerechtigkeit werden, oder aber zum listigen Lehrstueck im brechtschen Sinne, wobei dann alles darauf ankommt, wer inszeniert, - die um Gerechtigkeit streitenden Parteien, das Gericht fuer sich oder der sie institutionell verwaltende Staat bzw. die Gouvernementalite. Vor diesem Hintergrund sollen einige Aspekte der Inszenierung von Gerechtigkeit auf der Buehne des Gerichts in der thailaendischen Kulturerfahrung beleuchtet werden.

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Moritz Rinke
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Marlene Streeruwitz Marlene Streeruwitz
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Teruaki Takahashi Teruaki Takahashi ist Professor für Germanistik an der Rikkyo Universität in Tokio. Als Humboldt-Forschungsstipendiat war er von 1984-1986 und 2004 an den Universitäten in Bonn und Köln.







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Arata Takeda Arata Takeda ist Dozent für Neuere deutsche Literatur und Komparatistik an der Universität Tübingen. Er studierte Germanistik, Romanistik und Komparatistik in Tokyo, Tübingen und Venedig und war Träger des Rotary Foundation Ambassadorial Scholarship (1997-1998) und des Promotionsstipendiums der Friedrich-Naumann-Stiftung (2004-2007). In seiner Dissertation befasste er sich mit dem orientalistischen Blick des Westens auf das Phänomen des Selbstmordattentats und dessen existierenden Paradigmata in der westlichen Literatur. Im Mittelpunkt seines Forschungsinteresses stehen Fragen der kulturellen Differenz sowie der Transkulturalität. Seine weiteren Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der vergleichenden Motivforschung und der literarischen Übersetzung.

Ansichten eines Dilemmas. Zum Wert des Lebens vor Gericht

Der Wertekonflikt als Güterabwägung zwischen Leben und Idee ist einer der prekärsten in der Geschichte der Menschheit – sei es in historischer Wirklichkeit oder in literarischer Darstellung. Er artikuliert sich am plakativsten und zugleich am brisantesten im Strafprozess, in dem Urteilsfindung und Strafvollzug bisweilen vom Selbsturteil des Angeklagten überlagert werden. Ich als Literaturwissenschaftler möchte in meinem Beitrag einen lapidaren aber pointierten Durchgang durch einige literarische Beispiele unternehmen, die uns das Dilemma zwischen Leben und Idee im Kontext einer gerichtlichen Verhandlung exemplarisch vorführen. Wie wird vor Gericht im Extremfall über das Leben verhandelt? Von welchen Argumenten und Strategien wird das Vorgehen auf die jeweilige Lösung hin bestimmt? Die literarisch angebotenen Lösungswege vermögen Wichtiges über kulturelle Denkfiguren vom Wert des Lebens, deren Geltungsansprüche und historische Transformationen auszusagen.

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Elmar Weitekamp Elmar Weitekamp

"Truth and Reconciliation Commissions as a Form of Transitional Justice: The Example of South Africa"
(DVD-Presenation. Introduction by Elmar G. M. Weitekamp; Comparative Comments from a German Penal Law Perspective by Hans-Jürgen Kerner).

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Stand: 28. April 2010